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Tuesday, September 16, 2025

Special GLOF Edition

Eigentlich wollte ich ja über die Alaska Speisekarte schreiben - aber dann kam die Natur dazwischen. Willkommen zur Special GLOF Edition!

Was für ein schöner Tag für eine Jökulhlaup

Ich wollte dieses Update bereits vor einem Monat schreiben, aber der Berg rief. Wir hatten so tolles Wetter! Eine Jökulhlaup ist übrigens kein lokales Wort fuer eine Bergjause, aber mehr dazu gleich.

Das Haus am Mendenhall Fluss

Eigentlich sehr friedlich... 

Unser Blick vom Balkon

Am 12. August kam die Nachricht übers Handy “Suicide Basin glacial outburst underway, flooding expected late Tues - Wed. Residents in flood zone should evacuate.”

Unsere Taschen waren gepackt und auch bereits teilweise im Auto verstaut. Wir wussten, dass dieses Becken sich entleeren wird und konnten uns vorbereiten. Wir haben uns dann allerdings entschieden, zu Hause zu bleiben und das Spektakel von hier zu beobachten, denn es wird nicht das letzte mal sein, dass wir dies mitmachen.

Jökulhlaup

Jökulhlaup ist islaendisch. Jökull = Gletscher und hlaup = Lauf. Bei einem Jökulhlaup (Gletscherlauf) handelt es sich um eine katastrophale Flut, die entsteht, wenn große Mengen an Wasser plötzlich freigesetzt werden und einen See oder Eisdamm durchbrechen. In Juneau gab es seit 2011 jedes Jahr eine Jökulhlaup, oder auch "GLOF" (Glacial Lake Outburst Flood). Seit  2023 sind diese GLOFs besonders groß, so wurde 2023 ein Haus ins Wasser gerissen und 2024 wurden über 300 Häuser geflutet. 


55 Milliarden Liter Wasser

Dieses Jahr wurde wieder ein neuer Rekord gebrochen. 55 Milliarden Liter Wasser kamen während der GLOF runter. Wenn man einen Swimming Pool auf einem Standard-Fussballfeld bauen würde, der diese Wassermasse hält, wäre der 7,7 km hoch.


Juneau hatte dieses Jahr grosse Barrieren gebaut, um das Wasser zurückzuhalten. 

City and Borough of Juneau photo

Erfolgreich!


Unser Haus am Fluss liegt allerdings nördlich von den HESCO Barrieren. 

Unser Haus (das mit dem Pfeil)

Aus unserer Perspektive


Einige Stunden später sieht man wieder mehr Land.


Es ging alles glimpflich aus. Das Wasser kam bis knapp vor die Blumenbeete. Nebst riesigen Baumstämmen, schwamm auch ein Holzskelett vorbei, welches Rob rausgefischt hat und nun als “GLOFscheuche” vor den Blumenbeeten steht.


Gestern entleerte sich das Becken auch nochmals, aber es hatte viel weniger Wasser und kam nicht über das Flussufer.

Und natürlich gibt es noch ein Bären-Update


Als unsere Freunde Matt und Mary hier waren, hatten wir diese tolle Bär-Sichtung. Das Video ist von Matt, Rob und Travis sind im Vordergrund, Matt, Mary und ich stehen hinter den beiden. Mehr in Marys Blog.

In der nächsten Ausgabe dann wirklich: die Alaska Speisekarte


Friday, July 25, 2025

Das Leben in einer National Geographic-Zeitschrift

Nachdem ich mich in der letzten Ausgabe noch darüber beklagt habe, dass ich keinen einzigen Bären gesehen habe, muss ich diese Aussage nun vollständig zurücknehmen. Ich lebe in einem National Geographic-Artikel. David Attenboroughs Stimme schwingt im Hinterkopf. Bären, Adler, Wale, Seeotter, laichende Lachse. Ich bin umringt von Naturwundern. 

Ein wunderschöner Fleck Alaska

Bären

Nur wenige Tage nach meinem letzten Bericht habe ich sieben Bären auf einmal gesehen... entlang der Straße, wo die Müllhalde ist. 

Wie so vieles hier, ist auch die Müllhalde in Juneau idyllisch gelegen: Ein Fluss schlängelt sich durch eine grüne Wiese, eingerahmt von dichten Nadelwäldern – und dahinter: die Müllhalde.


Übrigens ist Tierfotografie auf der Müllhalde selbst verboten.


Denn Bären sind hier bekannt als Müll-Aficionados 

Wenig später wurde es dann persönlicher: Ein Bär hat ein Huhn quer über unsere Straße gejagt. Das Huhn hat Federn gelassen, aber überlebt. Ich habe es wochenlang nicht gesehen, aber vor ein paar Tagen tauchte es wieder auf.

Der Nachbarschaftsbär ließ sich seither öfter blicken.

Vom Auto fotografiert: Er überquerte direkt vor uns die Straße, als Rob zur Arbeit wollte...

...und versuchte sich an unseren Mülltonnen zu schaffen zu machen. Die sind zum Glück alle „bear-proof“.

Und in einem National Geographic-Artikel lebt man eben auch leider mit solchen Schlagzeilen: „Zwei Bärenjunge erleiden tödlichen Stromschlag bei der Flucht auf einen Strommast

Adler

Der Weißkopfseeadler ist hier so häufig wie die Taube in manchen Städten. Kein Wunder, dass er hier auch als „Freiheitstaube“ bekannt ist.

Die Adler lieben, wie sollte es anders sein, die Müllhalde. Aber auch direkt am Fluss vor unserem Haus können wir sie beobachten: wie sie Lachse fangen und verspeisen und in den Bäumen sitzen.


Beide Fotos wurden mit einer viel besseren Kamera als meinem iPhone von meinem Bekannten Travis gemacht.

Wale

Die beiden Fotos sind von Whale Watch Kapitän Owen, der wir auf der Fähre kennengelernt haben. Mehr Fotos gibt es auf seiner Webseite.



Was für beeindruckende Tiere! Wir haben Wale beim Spaziergang am Strand gesehen, von der Fähre aus und natürlich bei unserer Whale-Watching-Tour. Aber das eindrucksvollste Erlebnis hatten wir mit unserem eigenen Boot: Wir wurden Zeugen der sogenannten Blasennetz-Fütterung – ein spektakuläres Gruppenjagdverhalten, bei dem die Wale gemeinsam Herringe einkreisen und nach oben treiben. Ein Phänomen, das man fast ausschließlich hier in Alaska beobachten kann. Es war wie ein Feuerwerk – nur viel, viel besser.

Seeotter

Die Seeotter chillen im Wasser, liegen auf dem Rücken und lassen sich einfach treiben. 

Laichende Lachse

Lachse werden im Süßwasser geboren, wandern dann ins Meer und kehren zur Fortpflanzung dorthin zurück, wo sie geschlüpft sind, oft über tausende Kilometer hinweg. Sie finden den genauen Flussabschnitt über ihren Geruchssinn und das Erdmagnetfeld wieder.

Dort graben die Weibchen flache Mulden in den Kies, legen ihre Eier hinein, die Männchen befruchten sie und dann sterben sie. Pazifische Lachse laichen nur ein einziges Mal in ihrem Leben.

Dieses dramatische, uralte Schauspiel spielt sich direkt vor unserer Haustür ab

Es ist fast surreal, diese Massen an Lachsen in den Flüssen zu sehen. Natürlich freuen sich auch die Bären darüber. Mit dem Eintreffen der Lachse verlagert sich der Bären-Hotspot von der Müllhalde an die Flüsse.

In der nächsten Ausgabe: 

Selbst gesammelt, selbst gefangen: die Alaska Speisekarte

Tuesday, June 17, 2025

Boote, Bären und haben Juneauer Fell?

Mein Haus, mein Auto, mein Boot

Die alte Sparkassenwerbung trifft hier in Juneau auf fast jeden zu. Vor nahezu jedem Haus steht ein Boot – meist auf einem Anhänger, bereit, von einem Pickup Truck (nicht nur einem Auto!) zum Wasser gezogen zu werden. Dort geht's dann auf Halibut- oder Lachsjagd, oder man sucht nach King Crabs in den eiskalten Gewässern.

Viele Juneauer nutzen ihr Boot auch als Taxi zu den umliegenden Inseln, wo sie dann auf die Jagd gehen. Dabei gilt: man muss beim Schießen mindestens einen Fuß auf festem Boden haben. Da Rob ein leidenschaftlicher Jäger und Angler ist, werden auch die Andrades bald stolze Bootbesitzer sein. Den Pickup haben wir ja schon.

Stolze Besitzer eines Pickups

Binden die mir einen Bären auf?

Noch vor meinem Umzug nach Alaska brachte mir ein lieber Cariad-Kollege diesen wichtigen Merksatz bei: 

"If it's black, fight back.
If it's brown, lay down.
If it's white, good night." 

Auf Deutsch: "Ist er schwarz, wehr dich. Ist er braun, leg dich hin. Ist er weiß, gute Nacht."

Hier in Juneau gibt es Schwarzbären zuhauf, Braune zum Glück nur vereinzelt. Die schwarzen Exemplare sind kleiner und weniger aggressiv. Mit lauter Stimme und entschlossenem Auftreten lassen sie sich wohl meist vertreiben. Bei einem Braunen hingegen heißt es: hinlegen, tot stellen und beten, dass er das Interesse verliert. Jetzt ist die Herausforderung natürlich nur, wie hält man die pelzigen Kerle auseinander?

Bären vor dem Haus von Freunden

Die Bärengeschichten, die man hier erzählt bekommt, sind skurril: Da bricht einer in die Garage ein, knackt die Gefriertruhe und schleckt genüsslich das Eis – den Lachs lässt er links liegen… kann er ja sonst selber fangen. Ein anderer fällt durchs Dachfenster mitten in die Vorbereitungen für den Kindergeburtstag, bedient sich am Kuchen und verschwindet wieder durch die Balkontür, die die Besitzer in ihrer Panik aufgemacht haben. Ich persönlich? Ich habe noch keinen Bären gesehen und schwanke zwischen Enttäuschung und Erleichterung...

Stinktierkohlrabi: eine der ersten Planzen, die im Frühling blühen und Bären-Abfürhmittel nach dem Winterschlaf 

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung

Willkommen im Tongass National Forest – dem größten gemäßigten Regenwald der Welt! Hier in Juneau regnet es nicht nur oft, sondern mit einer Hingabe, die seinesgleichen sucht. Unsere erste Investition waren daher je zwei Paar Gummistiefel der Marke Xtratuf – "Alaska Proven" steht vielversprechend auf der Verpackung. Ein Paar knöchelhoch, ein Paar kniehoch.

Die Gummistiefel Kollektion

Entsprechend ist auch die Regenjacke Standard, die Regenhose je nach “Regenwinkel” (regnet es von oben, von der Seite oder sogar von unten). Umso erstaunter bin ich, wenn mir Einheimische in kurzen Hosen und T-Shirt entgegenkommen – bei 11 Grad und Regen! Meine Theorie: Nach ein paar Jahren entwickelt man hier automatisch ein wasserabweisendes Fell, wie es manche Tiere haben. Anders kann ich mir diese Wetter-Immunität nicht erklären. 

Gummistiefel "in action"

Ein Tag ohne Gummistiefel



Wednesday, May 21, 2025

Drei Dinge, die ich in meinem ersten Monat in Alaska gelernt habe

“Alaska - the last frontier” steht auf unseren Nummernschildern. Alaska, die letzte Grenze, ist groß, rau und in vielen Teilen unberührt und abgeschieden. So ist Juneau die einzige Landeshauptstadt in den USA, die nicht mit dem Auto erreicht werden kann. Das wusste ich allerdings bereits, bevor ich hierher kam.

1. Neutraler Blick + Klemmbrett = Angstschweiss

Geahnt hatte ich auch, dass ich meinen Führerschein nochmals machen muss (Theorie und Praxis), da mein US Führerschein mehr als drei Jahre abgelaufen war. Es hat mich allerdings komplett überrascht, dass ich bei der Führerscheinprüfung parallel einparken musste und dass jedes Vor- und Zurücksetzen Punkte kostet. “Heiliger Autoparkus, sei mit mir. Schenke mir räumliches Bewusstsein und Präzision.” Aber ich habe mit Bravour (und nur wenigen Punkten Abzug) bestanden.

2. Tankstellenpreise sind wie Gletscher - sie bewegen sich kaum

$3,46 bei Gas N Go

Der Benzinpreis hat sich, seit wir hier sind, kein einziges mal geändert. $3,49 für die Gallone, an manchen Tankstellen auch nur $3,46. Ihr denkt nun vielleicht, dass man in einer Stadt, wo keine Straße hinführt, ja auch nicht viel Auto fährt. Das stimmt so aber nicht, denn die oben erwähnte Weite bezieht sich auch auf unser tägliches Pendeln. Wir wohnen im Moment noch auf der Insel Douglas und Rob arbeitet im “Valley”. Da wir momentan nur ein Auto haben, fahre ich Rob zur Arbeit und hole ihn ab (je 12 Meilen). Mittags coache ich bei SEAK Fitness: jeweils 8 Meilen. Hier ein paar Fakten zum Kilometerstand unseres Subarus:

  • Kauf, 13. März: 3 Meilen
  • Ankunft in Juneau, 21. April: ca. 4400 Meilen
  • Stand heute, 21. Mai: 5900 Meilen

3. Meine ersten Gehversuche als Vibe Coder

Die Zeit zwischen meinen Chauffeurdiensten und meiner Coaching-Stunde habe ich mit meinem neuen Kollegen Cursor AI verbracht. CursorAI ist ein Code-Editor, dem man beschreibt, was man möchte, und die KI schreibt den Code dafür. “Baue eine App für Menschen, die nicht an Mode interessiert sind, aber manchmal doch gerne wissen würden, ob man das so anziehen kann?“ Es war mit dem einen Satz nicht ganz getan, wir brauchen ja auch eine Datenbank zum Bilder und Kommentare hochladen, Authentifizierung, Deployments, usw. Cursor und ich kamen am Anfang sehr gut miteinander klar, bis wir uns so richtig gezofft haben und ich alles mehrmals wegschmeissen musste. Dann hab ich gelernt, wie ich mit ihm(?) besser kommunizieren kann. Und Cursor lernt immer wieder von Neuem, dass ich Null Ahnung hab. Aber wir waren gemeinsam erfolgreich und ihr könnt euch das Ergebnis hier anschauen - und gerne auch Bilder hochladen und kommentieren. Bitte sagt Bescheid, falls ihr euch mit Google einloggen wollt, damit ich das Konto als Testadresse hinzufügen kann: https://can-i-wear-that.vercel.app/

Mein cooles Projekt

In der nächsten Ausgabe: Boote, Bären und haben Juneau-er Deckhaare?